Die Drei (2002)

für 6 solistische Sänger

entstand im Auftrag der Neuen Vocalsolisten Stuttgart

»Die Drei mach gleich, so bist du reich.«

Vor einigen Jahren fiel mir durch einen wunderbaren Zufall das Hexen-Ein-Mal-Eins aus Goethes Faust in die Hände. Die Zeilen schienen mir auf Anhieb nicht nur als Titel für Kompositionen wie geschaffen.
Der Zauberspruch - jeder Zahl von Eins bis Zehn ist eine Zeile gewidmet - hat eine unklare Offenheit im Umgang mit Zahlen und Bedeutungen, die ich mir auch in ganz anderen Zusammenhängen, besonders beim Komponieren, wünsche. »Die Drei« ist das achte Stück eines Werk-Zyklus von 10 Stücken, die als Titel eine Zeile des Gedichtes tragen.

Wegen der Besetzung der Neuen Vocalsolisten fiel die Wahl für dieses Stück auf die Zahl Drei: Die sechs Sänger werden in zwei Dreier-Gruppen aufgeteilt, möglichst weit voneinander entfernt stehend. Die drei sich gegenüber stehenden Paare verschmelzen dabei zu drei »Super-stereo-Sängern«. Die Drei mach gleich.
Das Stück besteht aus drei Teilen, die sich alle in drei Abschnitte gliedern, welche wieder dreigliedrig sind und so weiter bis zur kleinsten Motivzelle, die natürlich aus drei Tönen besteht. Die Harmonien sind dreistimmig, die »Melodien« dreiteilig.

Die Sänger singen entweder Vokale, drei mal drei an der Zahl, oder Text. Anja Tuckermann nahm hierzu die nicht ganz leichte Aufgabe auf sich, drei Sätze mit drei mal drei Silben in drei Sprachen zu erfinden, welche möglichst wenig bedeutungsschwanger sind und doch nicht bedeutungslos.