Und Sechs (2000)

für Flöte, Klarinette, Klavier und Streichtrio mit Zuspiel

Enstanden im Auftrag des Modern Art Sextett

 

Das Stück Und Sechs reiht sich ein in eine Gruppe von zehn Stücken, die jeweils als Titel eine Zeile des Hexen-Einmaleins aus Goethes Faust tragen. Jeder dieser Titel enthält eine Zahl, die bestimmte Aspekte eines Stückes beeinflusst. Musikalische Form, Kompositorische Ideen, Bezüge zu Nicht-Musikalischem oder auch Entscheidungen bei der Auswahl der Musiker oder der Klänge werden dabei auf ähnlich ironische und uneindeutige Weise gesteuert, wie sie auch der Goetheschen Dichtung eigen ist.
Und Sechs wird gespielt von 6 Musikern   im 6er-Takt, das Tempo ist mit 60 angegeben, die meisten Motive bestehen aus 6 Tönen und nicht selten werden sie 6 Mal wiederholt und auch die resultierenden Sechsergruppen erscheinen wieder sechs Mal. Diese Wiederholungen spielen in Und Sechs eine wesentliche Rolle.
Während einer Aufführung wird eine CD abgespielt. Sie ist in etwa so laut zu hören wie das live gespielte, gibt den Musikern Tempo und Metrum vor und enthält ausschließlich Samples von Aufnahmen anderer Stücke mit derselben Besetzung, gespielt von denselben Musikern. Diese Samples - manchmal nur ein Ton, manchmal längere Passagen - vermischen sich so gut mit dem Live-Intsrumentalklang, dass beides beim Hören kaum zu trennen ist.
Auch das Zuspiel enthält Wiederholungen. Allerdings sind elektronische Kopien eines Samples echte Duplikate, also Loops, während Wiederholungen in der Wirklichkeit immer Abweichungen enthalten, auch wenn sie bei sehr guten Musikern kaum wahrnehmbar sind.

Und Sechs und eigentlich alle meine Stücke sind Versuche, musikalische Materialklischees und Formklischees durch Übertreibung oder Übertragung zu entstellen und dann neu wahrnehmbar zu machen. Formal und in der emotionalen Wirkung haben Wiederholungen und Loops in Und Sechs wie bei jeder anderen Musik eindeutige und bei anspruchsvolleren Komponisten wenig beliebte Auswirkungen. Zusammen mit einem musikalischen Material, das schon sehr abgenutzt ist, weil es eine eindeutige emotionale Wirkung hat, ist die Absturzgefahr in Klassik-Radio-Gefielde sehr groß. Aber das Risiko einer solchen Gratwanderung macht den Reiz des Komponierens aus. Zuhörer werden mit scheinbar vertrauten Klängen abgeholt, erfahrene Neue-Musik-Hörer zuweilen auch provoziert und finden sich dann in einer ganz anderen Musikwelt wieder.